Baden-Württemberg fördert rund 150 neue Tagespflegeplätze

Ein wichtiger Ausbau – doch Menschen mit schweren Hirnschädigungen brauchen spezialisierte Angebote

Das Land Baden-Württemberg stellt rund 2,5 Millionen Euro für den Ausbau der Tagespflege bereit. Mit dem Geld werden acht Projekte in sieben Stadt- und Landkreisen gefördert. Insgesamt sollen dadurch 148 neue Plätze entstehen – vom Sozialministerium zusammengefasst als rund 150 zusätzliche Tagespflegeplätze.

Die neuen Angebote verteilen sich auf folgende Orte:

  • Neukirch im Bodenseekreis: 15 Plätze, Förderung 300.000 Euro

  • Altensteig im Landkreis Calw: 16 Plätze, Förderung 320.000 Euro

  • Geislingen an der Steige im Landkreis Göppingen: 20 Plätze, Förderung 400.000 Euro

  • Siegelsbach im Landkreis Heilbronn: 12 Plätze, Förderung 240.000 Euro

  • Hügelsheim im Landkreis Rastatt: 22 Plätze, Förderung 440.000 Euro

  • Bad Saulgau im Landkreis Sigmaringen: 14 Plätze, Förderung 192.983 Euro

  • Albstadt-Truchtelfingen im Zollernalbkreis: 24 Plätze, Förderung 360.000 Euro

  • Rosenfeld im Zollernalbkreis: 25 Plätze, Förderung 260.000 Euro

Mehr als 600.000 Menschen in Baden-Württemberg sind pflegebedürftig. Nach Angaben des Sozialministeriums werden rund 85 Prozent von ihnen zu Hause versorgt, etwa zwei Drittel ausschließlich durch An- und Zugehörige.

Tagespflege kann Familien spürbar entlasten. Pflegebedürftige Menschen werden für einen Teil des Tages betreut und versorgt, während Angehörige Zeit für ihre Berufstätigkeit, notwendige Erledigungen oder die eigene Erholung erhalten. Der Ausbau ist deshalb richtig und ausdrücklich zu begrüßen.

Allgemeine Tagespflege schließt nicht jede Versorgungslücke

Aus der Mitteilung des Landes geht allerdings nicht hervor, dass unter den geförderten Projekten besondere Angebote für Menschen mit schweren erworbenen Hirnschädigungen vorgesehen sind.

Gerade diese Menschen benötigen häufig eine Betreuung, die über die Möglichkeiten einer allgemeinen Tagespflege hinausgeht. Komplexe neurologische Beeinträchtigungen, Kommunikationsstörungen, herausforderndes Verhalten, hoher pflegerischer Unterstützungsbedarf oder die Notwendigkeit einer fortgesetzten Rehabilitation verlangen entsprechend qualifiziertes Personal und geeignete Versorgungskonzepte.

Für betroffene Familien reicht es deshalb nicht, wenn lediglich die Gesamtzahl der Tagespflegeplätze wächst. Entscheidend ist, ob ein Angebot den besonderen Bedarf des pflegebedürftigen Menschen tatsächlich abdecken kann.

Unsere Forderung: Neurologische Spezialpflege Phase F wieder aufbauen und die einzige uns bekannte Einrichtung gefördert werden.

Das SHV – FORUM GEHIRN Baden-Württemberg unterstützt deshalb die Forderung 04 der Kampagne „Ein Pflaster reicht nicht.“:

Phase F retten – bevor die letzte Tür schließt.

Menschen mit schweren erworbenen Hirnschädigungen dürfen nicht deshalb ohne angemessene Versorgung bleiben, weil ein Platz formal vorhanden, fachlich aber nicht geeignet ist. Baden-Württemberg braucht neben allgemeinen Entlastungsangeboten mehr neurologisch ausgerichtete Tagespflege, spezialisierte Kurzzeitpflege und verlässliche Angebote der Langzeitrehabilitation.

Die jetzt geförderten 148 Plätze sind ein wichtiger Schritt. Sie können Familien entlasten und die häusliche Versorgung stabilisieren. Gleichzeitig müssen künftige Förderprogramme gezielt berücksichtigen, welche Personengruppen von den bestehenden Angeboten bislang kaum oder gar nicht erreicht werden.

Denn Versorgung darf nicht nur vorhanden sein. Sie muss zum tatsächlichen Bedarf der Menschen passen.

 

Quellen:

Sozialministerium Baden-Württemberg – Land fördert Tagespflege mit 2,5 Millionen Euro

Zur Forderung 04: Neurologische Spezialpflege und Langzeitrehabilitation ausbauen




Digitale Hilfsmittel im Alltag – wenn Erinnern Unterstützung braucht

Wie können Smartphone, Kalender, Smartwatch oder digitale Notizen Menschen mit kognitiven Einschränkungen im Alltag unterstützen? Darüber sprach Peter Weidmann bei unserem ersten gemeinsamen Online-Abend – nicht theoretisch, sondern aus eigener Erfahrung.

Nach einem Herzstillstand musste Peter Weidmann erleben, dass vieles, was früher selbstverständlich war, plötzlich nicht mehr selbstverständlich funktionierte. Termine einhalten, Wege finden, medizinisch notwendige Abläufe nicht vergessen oder alltägliche Aufgaben organisieren: Was für andere wie eine Kleinigkeit erscheint, kann nach einer Hirnschädigung zu einer erheblichen Herausforderung werden.

Wenn der Notizzettel selbst zum Problem wird

Eine naheliegende Lösung lautet zunächst: aufschreiben.

Notizzettel, Hefte und Bücher können wertvolle Hilfen sein. Peter berichtete jedoch, dass irgendwann genau daraus ein neues Problem entstand. Die Zahl seiner Aufzeichnungen wurde so groß, dass er Informationen nicht mehr zuverlässig wiederfand.

Damit stellte sich für ihn eine entscheidende Frage: Wie kann ich Informationen nicht nur festhalten, sondern genau dann wiederfinden, wenn ich sie brauche?

Peter begann deshalb, unterschiedliche digitale Hilfsmittel gezielt für unterschiedliche Aufgaben einzusetzen.

Dazu gehören beispielsweise Notizen und Checklisten auf dem Smartphone, digitale Kalender, Erinnerungsfunktionen, Medikamenten-Apps, mehrere Wecker und eine Smartwatch. Ergänzt werden sie durch ganz klassische Hilfsmittel wie Whiteboard, Papier und Stift.

Gerade die Kombination ist entscheidend.

Ein digitaler Kalender kann beispielsweise nicht nur an einen Termin erinnern. Wird die Adresse hinterlegt, kann anschließend direkt die Navigation gestartet werden. Für jemanden, dem die räumliche Orientierung schwerfällt, werden damit gleich mehrere Schwierigkeiten aufgefangen.

Erinnerung ist nicht gleich Erinnerung

Besonders interessant war Peters Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen digitaler Erinnerungen.

Nicht alles ist gleich wichtig und nicht alles muss zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt erledigt werden. Für manche Aufgaben genügt eine Erinnerung, die bestätigt und anschließend automatisch für den nächsten Termin wiederholt wird.

Bei medizinisch wichtigen Aufgaben kann das anders aussehen. Peter nutzt dafür bewusst Wecker. Eine kurze Meldung kann leicht übersehen oder in einer gerade laufenden Tätigkeit wieder vergessen werden. Ein Wecker dagegen erinnert weiter, bis darauf reagiert wird. In Verbindung mit einer Smartwatch geschieht dies unauffällig durch Vibration am Handgelenk.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich allerdings auch: Was für den einen hervorragend funktioniert, kann für den anderen störend sein. Wer beispielsweise gerade arbeitet oder mit anderen Menschen spricht, kann nicht immer sofort auf eine Erinnerung reagieren.

Das eine richtige Hilfsmittel für alle gibt es deshalb nicht.

Technik schafft Freiheit – und neue Abhängigkeiten

Auch die Grenzen digitaler Unterstützung wurden offen angesprochen.

Was geschieht, wenn der Akku leer ist? Was passiert ohne Internet? Und wie abhängig möchte man von technischen Systemen werden?

Ein Teilnehmer berichtete beispielsweise, wie sehr Smart-Home-Technik seinen Alltag erleichtert – und wie schnell diese Unterstützung wegfallen kann, wenn die Internetverbindung ausfällt.

Andere arbeiten deshalb bewusst mit einer zusätzlichen Absicherung: Papierkalender, lokal gespeicherte Informationen oder eine Powerbank können zur Rückfallebene werden.

Peter machte zugleich deutlich: Abhängigkeit allein ist kein Argument gegen ein Hilfsmittel. Auch ein Rollstuhl schafft eine Abhängigkeit – entscheidend ist jedoch, welche Möglichkeiten er einem Menschen eröffnet.

Und was geschieht mit meinen Daten?

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war der Datenschutz.

Wer Kalender, Cloud-Speicher oder digitale Dokumentationen verwendet, muss sich bewusst sein, dass persönliche Daten auf technischen Systemen gespeichert werden. Besonders sensibel wird dies bei gesundheitlichen Informationen.

Völlige Sicherheit gibt es nicht. Dennoch lassen sich Risiken reduzieren – beispielsweise durch Gerätesperren, einen bewussten Umgang mit sensiblen Informationen und die Auswahl geeigneter Anbieter.

Peter verglich dies mit dem Autofahren: Auch Autofahren ist nicht risikofrei. Deshalb verzichten wir nicht grundsätzlich darauf, sondern versuchen durch Sicherheitsgurte, Regeln und umsichtiges Verhalten das Risiko zu reduzieren.

Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche

Im Austausch mit den Teilnehmenden rückte schließlich ein Thema in den Mittelpunkt, das zunächst gar nicht technisch ist: die Akzeptanz der eigenen Einschränkungen.

Nach einer Hirnschädigung kann es schwerfallen anzuerkennen, dass etwas, das früher selbstverständlich gelang, heute Unterstützung benötigt.

Eine Teilnehmerin beschrieb sehr persönlich, dass beispielsweise eine Einkaufsliste auf dem Smartphone für sie zunächst wie ein Eingeständnis eigener Schwäche wirkte. Erst mit der Zeit habe sie gelernt, solche Hilfen anzunehmen.

Genau darin kann jedoch ein wichtiger Schritt zu neuer Selbstständigkeit liegen.

Ein Hilfsmittel übernimmt nicht zwangsläufig das Denken. Es kann vielmehr Sicherheit schaffen. Wer eine Einkaufsliste geschrieben hat, muss beim Einkaufen nicht ständig daraufsehen. Vielleicht erinnert man sich an fast alles selbst – und kontrolliert erst am Ende, ob etwas fehlt.

Das Hilfsmittel wird damit zur Rückfallebene.

Nicht Schwarz oder Weiß

Genau diese Erkenntnis fasste die Diskussion am Ende besonders gut zusammen: Wir müssen nicht zwischen „alles selbst können“ und „von Technik abhängig sein“ entscheiden.

Hilfsmittel haben Vorteile und Nachteile. Sie können entlasten, Sicherheit geben und Selbstständigkeit ermöglichen. Gleichzeitig können sie neue Abhängigkeiten schaffen und werfen Fragen zum Datenschutz auf.

Entscheidend ist deshalb, herauszufinden: Was hilft mir persönlich? Was entlastet mich? Und wie kann ich Technik nutzen, ohne mich vollständig von ihr bestimmen zu lassen?

Peter Weidmann verstand seinen Vortrag ausdrücklich als Einladung zum Austausch. Denn viele der heute verfügbaren digitalen Möglichkeiten sind Betroffenen – und teilweise auch Fachleuten – noch erstaunlich wenig bekannt.

Ein Thema wurde an diesem Abend nur kurz angerissen und könnte deshalb eine Fortsetzung verdienen: Künstliche Intelligenz als Unterstützung im Alltag. Auch hier liegen große Möglichkeiten – vorausgesetzt, wir wissen, was solche Systeme können, wo ihre Grenzen liegen und warum wir ihren Antworten nicht ungeprüft vertrauen dürfen.

Vielen Dank an Peter Weidmann für diesen persönlichen, praxisnahen Vortrag und an alle Teilnehmenden für den offenen Austausch und die vielen eigenen Erfahrungen.




Selbsthilfe in der Rehabilitation: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Wie gut arbeiten Rehabilitationskliniken tatsächlich mit Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen zusammen? Mit dieser Frage hat sich das Forschungsprojekt KoReS – Selbsthilfefreundlichkeit und Kooperation mit der Selbsthilfe in Rehabilitations-Kliniken beschäftigt.

Das vom Institut für Medizinische Soziologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, dem Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen und der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen durchgeführte Projekt wurde von der Deutschen Rentenversicherung Bund gefördert.

Unser Wunsch

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen der grundsätzlich anerkannten Bedeutung der Selbsthilfe und ihrer tatsächlichen Einbindung in die Rehabilitation. Mehr als 40 Prozent der untersuchten Reha-Kliniken beschäftigen sich auf ihren Internetseiten überhaupt nicht mit Selbsthilfe. Nur rund 11 Prozent der befragten Rehabilitandinnen und Rehabilitanden gaben an, während ihrer Rehabilitation zu einer Selbsthilfe- oder Gesprächsgruppe angeregt worden zu sein.

Das ist auch aus unserer Sicht ein bemerkenswertes Ergebnis. Denn leider erleben auch wir als Selbsthilfeverband die viel beschworene „Selbsthilfefreundlichkeit“ in der Praxis keineswegs selbstverständlich. Kontakte und Kooperationen hängen stark von einzelnen engagierten Personen ab. Eine selbstverständliche und strukturell verankerte Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe erleben wir bislang so gut wie nie.

Genau hier setzt KoReS an. Empfohlen werden unter anderem eine stärkere Verantwortung der Klinikleitungen, feste Selbsthilfebeauftragte, die Qualifizierung von Mitarbeitenden, verbindliche Kooperationsvereinbarungen und eine dauerhafte Verankerung der Zusammenarbeit im Qualitätsmanagement.

Online-Workshop am 15. September 2026

Das KoReS-Team lädt Selbsthilfegruppen und -organisationen zu einem weiteren Online-Workshop ein:

Dienstag, 15. September 2026
10:00 bis 12:00 Uhr
Online über Zoom

Für uns ist insbesondere interessant, wie aus den Forschungsergebnissen nun tatsächlich Veränderungen im Klinikalltag entstehen sollen. Denn Selbsthilfefreundlichkeit sollte mehr sein als ein Qualitätsmerkmal auf dem Papier. Entscheidend ist, ob Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen die Selbsthilfe während und nach einer Rehabilitation tatsächlich als Partner erleben können.

Weitere Informationen und die Pressemitteilung zum KoReS-Projekt:
https://www.selbsthilfefreundlichkeit.de/wp-content/uploads/2026/07/PM_KORES_07072026.pdf

Informationen zum Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung:
https://www.selbsthilfefreundlichkeit.de/




Von Erfahrungen lernen

Wir beschäftigen uns derzeit intensiv mit der Frage, wie neue Wohn- und Lebensformen für Menschen mit schweren erworbenen Hirnschädigungen aussehen können. Unser Ziel ist es, ein eigenes Projekt zu initiieren, das fachlich notwendige Unterstützung mit möglichst viel Normalität, Teilhabe und Gemeinschaft verbindet.

Dabei wollen wir nicht bei null anfangen – und vor allem nicht glauben, alles selbst neu erfinden zu müssen. Deshalb suchen wir gezielt das Gespräch mit Menschen, die über viele Jahre praktische Erfahrungen mit unterschiedlichen Wohn-, Assistenz- und Gemeinschaftsmodellen gesammelt haben. Was hat funktioniert? Wo lagen Schwierigkeiten? Welche Fehler würde man heute vermeiden? Und was lässt sich auf ein neues Projekt übertragen?

Nach unserem ersten Gespräch mit der Familie Budweg zum Thema „Gemeinsam im Leben“ war Ingo Franz von den Diakonischen Hausgemeinschaften unser zweiter Gesprächspartner. Über die Erfahrungen der Familie Budweg haben wir ausführlich in unserer Mitgliederzeitschrift dialog 32 berichtet.

Mit der Arbeit von Ingo Franz und den Diakonischen Hausgemeinschaften war ich bereits vor mehr als 20 Jahren in Berührung gekommen. Umso interessanter war es für mich, nach dieser langen Zeit zu erfahren, wie sich die damaligen Ideen weiterentwickelt haben und welche Erfahrungen aus mehr als 35 Jahren praktischer Arbeit heute daraus entstanden sind.

Im Gespräch wurde schnell deutlich, dass für Herrn Franz nicht eine bestimmte Wohnform im Mittelpunkt steht, sondern eine Haltung: Menschen mit Unterstützungsbedarf sollen nicht in einer Sonderwelt leben, sondern Teil einer vielfältigen Gemeinschaft und einer lebendigen Nachbarschaft sein. Sie sind dabei nicht nur Menschen, die Hilfe benötigen, sondern können selbst Gastgeber, Nachbarn und Mitgestalter sein.

Besonders eindrücklich war sein Gedanke der Normalität als „essenzielles Therapeutikum“ – gerade für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen. Gemeinsam kochen und essen, Nachbarn treffen, feiern, Musik erleben, gebraucht werden und etwas für andere tun: All dies gehört zum normalen Leben und kann durch professionelle Pflege und Therapie allein nicht ersetzt werden.

Gleichzeitig berichtete Herr Franz sehr offen über die Schwierigkeiten eines solchen Weges: Finanzierung, Zusammenarbeit mit Kostenträgern, Persönliches Budget, notwendige Kooperationen mit Pflegediensten und Therapeuten sowie die Bedeutung einer von Anfang an soliden wirtschaftlichen Grundlage.

Für uns war gerade diese Verbindung aus Vision und jahrzehntelanger praktischer Erfahrung besonders wertvoll.

 

Unser Weg beginnt mit Zuhören.

Die Gespräche mit der Familie Budweg und Herrn Franz sollen deshalb erst der Anfang sein. Wir möchten weitere Menschen und Initiativen kennenlernen, unterschiedliche praktische Erfahrungen zusammentragen und daraus lernen. Denn bevor wir ein eigenes Modell entwickeln, wollen wir möglichst genau wissen, was sich in der Praxis bewährt hat, wo Schwierigkeiten liegen – und welche Erfahrungen anderer wir für unseren eigenen Weg nutzen können.

Sie möchten unsere Überlegungen weiterverfolgen? Sie kennen eine interessante Initiative? Oder Sie haben selbst Erfahrungen, die für unser Vorhaben wichtig sein könnten?

Dann freuen wir uns, von Ihnen zu hören.

 
 

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Ein Pflaster reicht nicht

wenn Pflegepolitik die pflegenden Angehörigen aus dem Blick verliert

Pflegende Angehörige halten den überwiegenden Teil der Versorgung in Deutschland aufrecht. Doch ausgerechnet sie drohen durch die geplante Neuordnung der Pflegeversicherung zusätzlich belastet zu werden. Der SHV-FORUM GEHIRN Landesverband Baden-Württemberg bezieht deshalb klar Stellung – und gibt mit seiner Kampagne „Ein Pflaster reicht nicht.“ den Menschen eine Stimme, über die in der Pflegepolitik viel zu häufig nur in Zahlen gesprochen wird.

Die Diskussion um das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) betrifft nicht irgendeine abstrakte Reform der Pflegeversicherung. Sie betrifft unmittelbar den Alltag von Millionen Menschen mit Pflegebedarf, Menschen mit Behinderungen und deren Familien.

Als Mitglied der LAG Selbsthilfe Baden-Württemberg unterstützen wir deshalb ausdrücklich die gemeinsame Initiative von mehr als 30 Selbstvertretungs- und Selbsthilfeorganisationen in Baden-Württemberg.

Das Bündnis hat sich mit einer gemeinsamen Stellungnahme an die Landesregierung gewandt und vor den Folgen der geplanten Reformen gewarnt.

Zum Beitrag: Gemeinsam gegen Einschnitte in der Pflege

Wer Leistungen kürzt, verlagert die Pflege nicht – sondern die Verantwortung

Besonders kritisch sehen wir die Auswirkungen auf die häusliche Versorgung.

Denn wenn Unterstützungsleistungen eingeschränkt werden, verschwindet der Pflegebedarf nicht.

Wenn Entlastungsangebote wegfallen, verschwindet die Belastung nicht.

Und wenn professionelle oder niedrigschwellige Hilfen nicht mehr zur Verfügung stehen, übernimmt diese Aufgaben nicht plötzlich niemand.

Sie landen in aller Regel bei den Angehörigen.

Genau deshalb ist es so wichtig, dass die gemeinsame Stellungnahme der LAG Selbsthilfe Baden-Württemberg und der beteiligten Verbände die Situation pflegender Angehöriger ausdrücklich in den Mittelpunkt stellt.

Wer einen Angehörigen über Jahre versorgt, reduziert möglicherweise seine Berufstätigkeit, verzichtet auf Einkommen und berufliche Entwicklung, übernimmt Verantwortung rund um die Uhr und muss gleichzeitig versuchen, sein eigenes Leben aufrechtzuerhalten.

Eine Kürzung der sozialen Absicherung dieser Menschen wäre deshalb für uns das vollkommen falsche Signal.

Pflegende Angehörige sind kein kostenloser Ersatz für fehlende Strukturen im Pflegesystem.

Hinter jeder Zahl steht ein Mensch

Genau hier setzt unsere Kampagne „Ein Pflaster reicht nicht.“ an.

Wir wollen nicht nur über Pflege sprechen.

Wir wollen diejenigen sprechen lassen, die sie jeden Tag erleben.

Pflegende Angehörige erzählen auf unserer Kampagnenseite ihre persönlichen Geschichten: von Verantwortung und Zusammenhalt, aber auch von Überforderung, Bürokratie, fehlender Unterstützung und einem System, das viel zu häufig voraussetzt, dass Familien schon irgendwie auffangen werden, was anderswo nicht funktioniert.

Diese Geschichten sind keine Einzelfälle, die man voneinander getrennt betrachten kann.

Je mehr Menschen ihre Erfahrungen schildern, desto deutlicher wird das strukturelle Problem.

Und desto schwieriger wird es für die Politik, diese Realität zu übersehen.

Ein einzelnes Schicksal kann politisch vielleicht noch als Einzelfall abgetan werden. An vielen persönlichen Schicksalen kann auch eine Regierung nicht einfach vorbeigehen. Genau deshalb müssen wir diese Geschichten sichtbar machen.

Karl-Eugen Siegel, Vorsitzender SHV-FORUM GEHIRN e.V. Landesverband Baden-Württemberg

 

Wir wollen den politischen Druck erhöhen

Deshalb laden wir pflegende Angehörige ausdrücklich ein:

Erzählen Sie Ihre Geschichte.

Was bedeutet Pflege für Ihren Alltag?

Wo funktioniert Unterstützung – und wo lässt das System Sie allein?

Welche Belastungen entstehen durch fehlende Angebote, Bürokratie oder gesetzliche Regelungen?

Und was müsste sich ändern?

Es geht nicht darum, möglichst dramatische Geschichten zu sammeln. Es geht darum, die tatsächliche Lebenswirklichkeit sichtbar zu machen.

Denn hinter Begriffen wie „Verhinderungspflege“, „Entlastungsbetrag“ oder „häusliche Versorgung“ stehen Menschen.

Ihre Erfahrungen müssen Teil der politischen Diskussion sein.

Unsere Forderung ist klar

Eine Reform der Pflegeversicherung darf ihre finanziellen Probleme nicht dadurch lösen, dass Leistungen eingeschränkt und Belastungen auf Pflegebedürftige und ihre Angehörigen verschoben werden.

Notwendig sind verlässliche Unterstützungsstrukturen, eine Stärkung der häuslichen Versorgung und eine wirkliche Entlastung pflegender Angehöriger.

Deshalb stehen wir gemeinsam mit der LAG Selbsthilfe Baden-Württemberg und den beteiligten Organisationen gegen Regelungen, die diese Ziele gefährden.

Pflege braucht mehr als kurzfristige Reparaturen.

Pflegende Angehörige brauchen mehr als Anerkennung in Sonntagsreden.

Ein Pflaster reicht nicht.

Hier zu den politischen Forderungen des SHV - FORUM GEHIRN e.V.

 

Danke für die Unterstützung

Die Kampagne „Ein Pflaster reicht nicht.“ wird im Rahmen der Selbsthilfe-Projektförderung durch die

AOK Baden-Württemberg unterstützt.

Für diese Förderung und die damit verbundene Möglichkeit, die Erfahrungen pflegender Angehöriger öffentlich sichtbar zu machen, bedanken wir uns ausdrücklich bei der AOK Baden-Württemberg.

Denn Veränderung beginnt damit, dass die Menschen gehört werden, die Pflege jeden Tag leben.

 




Gemeinsam gegen Einschnitte in der Pflege

Pflegende Angehörige dürfen nicht weiter belastet werden

Als Mitglied der LAG Selbsthilfe Baden-Württemberg unterstützen wir die gemeinsame Initiative von mehr als 30 Selbstvertretungs- und Selbsthilfeorganisationen, die sich mit großer Sorge an die Landespolitik gewandt haben.


In einer gemeinsamen Stellungnahme zum geplanten Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) machen wir deutlich, welche Folgen die vorgesehenen Änderungen für Menschen mit Pflegebedarf und Behinderungen – und ganz besonders auch für ihre Angehörigen – haben können.

Kritisiert werden unter anderem die geplante Streichung des Entlastungsbetrags für Menschen mit Pflegegrad 1, Einschnitte bei der Verhinderungspflege, der Wegfall bewährter Entlastungsangebote sowie höhere Zugangshürden zu Pflegeleistungen.

Pflegende Angehörige tragen schon heute einen großen Teil der Versorgung

Für uns ist besonders wichtig, dass die Situation pflegender Angehöriger in der gemeinsamen Stellungnahme sehr deutlich benannt wird.

Einschränkungen bei der Verhinderungspflege treffen gerade diejenigen Familien, die ihre Angehörigen über viele Jahre zu Hause versorgen. Auch die geplante Kürzung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige wird deutlich kritisiert. Wer wegen der Pflege eines Angehörigen seine Berufstätigkeit reduziert oder ganz aufgibt, darf dafür nicht zusätzlich mit einem erhöhten Risiko für Altersarmut bezahlen.

Ebenso wichtig sind niedrigschwellige Entlastungsangebote. Werden diese eingeschränkt oder gestrichen, verschwindet der Unterstützungsbedarf nicht. Die zusätzliche Belastung landet am Ende wieder dort, wo schon heute ein erheblicher Teil der Pflege aufgefangen wird: bei den Angehörigen.

Genau deshalb: „Ein Pflaster reicht nicht.“

Die gemeinsame politische Initiative der LAG Selbsthilfe BW und unsere gerade gestartete Kampagne „Ein Pflaster reicht nicht.“ gehören für uns unmittelbar zusammen.

Die Stellungnahme formuliert auf politischer Ebene, was sich ändern muss. Mit unserer Kampagne wollen wir zeigen, warum es sich ändern muss.

Wir geben pflegenden Angehörigen ein Gesicht und eine Stimme. Ihre persönlichen Geschichten zeigen, was hinter Begriffen wie Entlastungsbetrag, Verhinderungspflege, Unterstützungsstruktur oder häusliche Versorgung tatsächlich steht.

Es geht um Menschen, die Tag für Tag Verantwortung übernehmen, häufig über viele Jahre hinweg – und dabei selbst viel zu wenig Unterstützung erfahren.

Deshalb stehen wir gemeinsam mit der LAG Selbsthilfe Baden-Württemberg und den beteiligten Verbänden dafür ein:

Menschen mit Pflegebedarf und Behinderungen und ihre Familien dürfen nicht die Hauptlast notwendiger Reformen tragen.

Und deshalb sagen wir auch:

Ein Pflaster reicht nicht.

Pflege braucht verlässliche Strukturen – und pflegende Angehörige brauchen echte Unterstützung und Entlastung.




Mit Hilfsmitteln zurück in ein selbstständiges Leben

Online-Vortrag am Samstag, 22. August 2026, ab 17:00 Uhr (Zoom)

Der Landesverband Baden-Württemberg des SHV-FORUM GEHIRN e.V. lädt gemeinsam mit der Selbsthilfegruppe ceres Stuttgart herzlich zu einer weiteren Veranstaltung der Reihe „Praxis Dr. Selbst“ ein.

Viele Menschen mit einer erworbenen Hirnschädigung stehen nach ihrer Erkrankung oder Verletzung vor der Herausforderung, den Alltag neu zu organisieren. Welche Hilfsmittel und Strategien dabei helfen können, Schritt für Schritt wieder mehr Selbstständigkeit zu erlangen, zeigt Peter Weidmann anhand seiner persönlichen Erfahrungen.

Peter Weidmann, am 5.2.1987 geboren, hatte im August 2022 einen Herzstillstand und wurde 79 Minuten reanimiert und ins Leben zurückgeholt.

Aufgrund eines Hirnüberdrucks wurde ihm der 5. Halswirbel entfernt und daraus resultierte eine signifikante neurologische Beeinträchtigung bezgl. seiner Erinnerungsfähigkeit sowohl im Kurz- wie auch im Langzeitgedächtnis.

Im März 2026 meldete er sich bei der Selbsthilfegruppe ceres Stuttgart. Im Gespräch erzählte er Frau Ingrid Pramberger, dass es ihm gelang Schritt für Schritt zurück in ein selbstständiges Leben zu finden.

„Sowohl in der Arbeit als auch privat werden mir bis heute meine Beeinträchtigungen vor Augen geführt“, so Peter Weidmann. „Aber ich strebe weiter in allen Belangen meines Lebens ein möglichst hohes Maß an Selbstständigkeit zu erreichen.“

 

Welche Hilfsmöglichkeiten er für sich gefunden hat, um sich ein selbstständiges Leben einzurichten und welche Randbedingungen sich daraus mitunter ergeben, möchte er mit Betroffenen, Angehörigen und Interessierten teilen.

Termin

Samstag, 22. August 2026
Beginn: 17:00 Uhr
Ort: Online per Zoom

Anmeldung

Für die Teilnahme bitten wir um eine kurze Anmeldung per E-Mail. Die Zugangsdaten zur Zoom-Veranstaltung werden anschließend zugesandt.

Peter Weidmann
E-Mail: pejoweid@gmail.com

oder

Ingrid Pramberger (ceres Stuttgart)
E-Mail: ingrid.pramberger@gmail.com

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!




Gemischte Hausgemeinschaften aufbauen – Erfahrungen aus über 35 Jahren Praxis

Onlinegespräche

Referent: Ingo Franz
Termin: Donnerstag, 13. August 2026, 20:00 Uhr

Wie können generationenübergreifende und inklusive Hausgemeinschaften entstehen, in denen Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebenssituationen dauerhaft gut zusammenleben?

I

ngo Franz beschäftigt sich seit den späten 1980er-Jahren mit dieser Frage – nicht nur theoretisch, sondern vor allem praktisch. Seit den ersten Pilotprojekten in Freiburg Ende der 1980er-Jahre hat er zahlreiche inklusive Wohn- und Nachbarschaftsprojekte aufgebaut und begleitet. Seine Erfahrungen reichen von den ersten Gemeinschaftsprojekten über das Heidelberger Mehrgenerationenhaus bis hin zu den heutigen Diakonischen Hausgemeinschaften Heidelberg.

Im Gespräch berichtet er aus dieser langjährigen Praxis und zeigt auf,

  • wie gemischte Hausgemeinschaften entstehen können,
  • welche Voraussetzungen für ein gelingendes Zusammenleben wichtig sind,
  • welche Herausforderungen auftreten und
  • welche Chancen solche Gemeinschaften für Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf bieten.

Das Onlinegespräch richtet sich an alle, die sich für gemeinschaftliche Wohnformen, Inklusion und neue Wege des Zusammenlebens interessieren.

Weitere Informationen zu den Projekten der Diakonischen Hausgemeinschaften Heidelberg finden Sie unter:
https://hausgemeinschaften.de/heidelbergleimen/

Anmeldung und Zusendung des Zugangslinks:

k.e.siegel@shv-bw.de




Protest gegen die Schwächung der Interessenvertretung von Menschen mit Behinderungen

Der SHV-FORUM GEHIRN e. V. – Landesverband Baden-Württemberg (SHV-BW) unterstützt den Protest der LAG SELBSTHILFE Baden-Württemberg gegen die geplante Abschaffung beziehungsweise Herabstufung der hauptamtlichen Stelle der/des Landesbeauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderungen. Gemeinsam mit zahlreichen Mitgliedsverbänden haben wir unser Vereinslogo als Zeichen der Solidarität zur gemeinsamen Protestaktion beigesteuert.

Die Landesregierung erwägt, die bisher hauptamtliche Stelle in ein Ehrenamt umzuwandeln oder sogar vollständig abzuschaffen. Aus Sicht der Selbsthilfe wäre dies ein erheblicher Rückschritt für die Interessenvertretung von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen. Die Landesbeauftragte beziehungsweise der Landesbeauftragte ist eine unabhängige Schnittstelle zwischen Politik, Verwaltung und den Betroffenen und trägt entscheidend dazu bei, dass Teilhabe und Inklusion im Alltag gelebt werden.

„Allein in Baden-Württemberg leben über eine Million Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung und schätzungsweise mehr als vier Millionen Menschen mit einer chronischen Erkrankung. Für sie ist eine starke, unabhängige Interessenvertretung auf Landesebene unverzichtbar.“

K. E. Siegel, Landesvorsitzender SHV-BW

In ihrem Schreiben an Ministerpräsident Cem Özdemir und Sozialminister Manfred Hildenbrand fordert die LAG SELBSTHILFE Baden-Württemberg deshalb den dauerhaften Erhalt der hauptamtlichen Stelle sowie ein klares Bekenntnis zu Inklusion, Selbstbestimmung und der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.

Als Landesverband für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen und ihre Angehörigen unterstützt der SHV-BW diese Forderungen ausdrücklich.

„Rechnet man Angehörige hinzu, betrifft das Thema Behinderung und chronische Erkrankung nahezu jede Familie in Baden-Württemberg. Gerade deshalb darf eine unabhängige Interessenvertretung nicht geschwächt, sondern muss dauerhaft gestärkt werden.“

K. E. Siegel, Landesvorsitzender SHV-BW

Der SHV-BW appelliert an die Landesregierung, die hauptamtliche Stelle der/des Landesbeauftragten dauerhaft zu erhalten. Inklusion, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe sind Grundpfeiler einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft – sie dürfen niemals zur Sparmaßnahme werden.




„Kraft tanken“ in Burgau – Affolter®-Seminar für Angehörige

Nach den sehr positiven Rückmeldungen zu unserem Angehörigenseminar im Therapiezentrum Burgau setzen wir unsere Seminarreihe „Kraft tanken“ Ende des Jahres mit einem besonderen Schwerpunkt fort. Gemeinsam mit dem Therapiezentrum Burgau bieten wir eine dreitägige Schulung zur Wahrnehmungsförderung und zum Geführten Interagieren nach Affolter® an.

Geführte Aktivität des täglichen Lebens

 

Viele Menschen mit einer erworbenen Hirnschädigung – beispielsweise nach einem Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder einer schweren Sauerstoffmangelversorgung des Gehirns – haben nicht nur motorische Einschränkungen. Häufig ist vor allem ihre Wahrnehmung der eigenen Person und ihrer Umgebung verändert. Gewohnte Alltagshandlungen können dadurch kaum noch eingeordnet oder verstanden werden. Für Angehörige ist dies oft schwer nachzuvollziehen und führt im täglichen Umgang zu großer Unsicherheit.

Genau hier setzt das Affolter®-Konzept an.

Die von der Schweizer Psychologin und Heilpädagogin Félicie Affolter entwickelte Methode versteht Wahrnehmung nicht als isolierte Fähigkeit, die trainiert werden kann. Wahrnehmung entsteht vielmehr im gemeinsamen Handeln mit der Umwelt. Durch gezielte taktil-kinästhetische Führung – also durch eine ruhige, strukturierte Begleitung über Berührung und Bewegung – erleben Betroffene alltägliche Handlungen wieder als sinnvolle und zusammenhängende Abläufe.

Dabei steht nicht das Einüben einzelner Bewegungen im Vordergrund. Vielmehr werden Alltagssituationen wie Essen, Waschen, Anziehen, Greifen, Umlagern oder andere praktische Tätigkeiten gemeinsam durchgeführt. Die betroffene Person erhält über die Hände und den Körper Orientierung darüber, was gerade geschieht, wie sich Gegenstände anfühlen, welche Bewegungen notwendig sind und welchen Zusammenhang eine Handlung mit ihrer Umgebung hat.

Gerade Menschen mit schweren neurologischen Einschränkungen können auf diese Weise wieder Sicherheit gewinnen. Viele Angehörige berichten, dass sie durch das Affolter®-Konzept ihre Familienmitglieder besser verstehen und alltägliche Pflegesituationen deutlich ruhiger und strukturierter gestalten können. Gleichzeitig vermittelt die Methode einen respektvollen Umgang, der den Menschen nicht überfordert, sondern ihm Orientierung gibt und eigene Aktivität ermöglicht.

Während der drei Seminartage wechseln sich theoretische Grundlagen und praktische Übungen kontinuierlich ab. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Selbsterfahrung: Die Teilnehmer erleben die Prinzipien des Geführten Interagierens selbst, üben miteinander und reflektieren gemeinsam ihre Erfahrungen. Dadurch wird das Gelernte unmittelbar verständlich und kann später leichter in den häuslichen Alltag übernommen werden.

Geleitet wird das Seminar von Jürgen Söll, Affolter®-Instruktor am Therapiezentrum Burgau. Mit seiner langjährigen Erfahrung vermittelt er die Inhalte praxisnah und verständlich und zeigt, wie sich die Methode im Alltag von Angehörigen und Pflegepersonen sinnvoll einsetzen lässt.

Mit diesem Seminar möchten wir Angehörigen nicht nur fachliches Wissen vermitteln, sondern vor allem Sicherheit geben. Wer versteht, wie Wahrnehmung nach einer Hirnschädigung funktioniert und wie Orientierung durch gemeinsames Handeln entstehen kann, gewinnt neue Möglichkeiten im täglichen Miteinander. So wird Pflege häufig ruhiger, verständlicher und für beide Seiten entlastender.

 

Anmeldung

Termin: 31. Oktober bis 2. November 2026

Ort: Therapiezentrum Burgau

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Anmeldungen und weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail bei:

Karl-Eugen Siegel k.e.siegel@shv-forum-gehirn.de

Wir freuen uns auf drei intensive Seminartage voller praktischer Erfahrungen, neuer Erkenntnisse und wertvoller Begegnungen im Therapiezentrum Burgau.

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