Weniger Stürze durch Alltagstraining

Neue Studie bestätigt Wirksamkeit häuslicher Programme nach Schlaganfall

Eine aktuelle Studie aus Australien liefert starke Argumente für einen Perspektivwechsel in der Rehabilitation nach Schlaganfall: Nicht isolierte Übungen im Therapieraum, sondern gezielt in den Alltag integrierte Maßnahmen können das Sturzrisiko deutlich senken.

Die sogenannte Falls After Stroke Trial (FAST), veröffentlicht im British Medical Journal (BMJ 2026), zeigt: Schlaganfallbetroffene, die an einem individualisierten häuslichen Präventionsprogramm teilnahmen, erlitten innerhalb eines Jahres rund ein Drittel weniger Stürze als die Vergleichsgruppe ohne Intervention.

Alltag statt Übungsraum

Im Mittelpunkt der Studie stand ein Ansatz, der Therapie konsequent in den Alltag verlagert. 370 Teilnehmende im Durchschnittsalter von etwa 75 Jahren wurden zufällig einer Interventions- oder Kontrollgruppe zugeteilt. Voraussetzung war, dass sie nach ihrem Schlaganfall wieder selbstständig zu Hause leben konnten.

Das Besondere:
Die Intervention bestand nicht aus zusätzlichen klassischen Therapieeinheiten, sondern aus einem alltagsnahen Trainingskonzept, begleitet durch Physio- und Ergotherapeut:innen.

Über sechs Monate hinweg erhielten die Teilnehmenden:

  • 10 Hausbesuche
  • 11 telefonische Coaching-Einheiten

Drei Bausteine mit klarer Wirkung

Das Programm setzte sich aus drei zentralen Komponenten zusammen:

1. Alltagsintegriertes Training (LiFE)
Kraft- und Gleichgewichtsübungen wurden direkt in tägliche Routinen eingebaut – etwa beim Zähneputzen oder beim Ausräumen der Spülmaschine.

2. Reduktion von Sturzrisiken
Die Wohnumgebung wurde gezielt angepasst, Stolperfallen beseitigt und ein sicherheitsbewusstes Verhalten gefördert.

3. Mobilitätscoaching
Die Teilnehmenden wurden aktiv unterstützt, sich wieder außerhalb der Wohnung zu bewegen – etwa beim Spazierengehen oder Einkaufen.

Deutliche Ergebnisse – mit Einschränkungen

Nach 12 Monaten zeigte sich ein klarer Effekt:
Die Sturzrate in der Interventionsgruppe war um 33 % reduziert.

Allerdings blieb die Zahl der Personen, die überhaupt stürzten, nahezu gleich. Das bedeutet:
Das Programm verhinderte nicht unbedingt den ersten Sturz, reduzierte aber die Häufigkeit weiterer Stürze.

Zusätzlich verbesserten sich wichtige Faktoren wie:

  • Mobilität (z. B. Gehgeschwindigkeit)
  • Gleichgewicht
  • Selbstwirksamkeit
  • gesellschaftliche Teilhabe

Hohe Relevanz für die Praxis

Die Studienautorinnen betonen die große Bedeutung dieser Ergebnisse:
Menschen nach einem Schlaganfall haben ein mehr als doppelt so hohes Sturzrisiko wie Gleichaltrige ohne Schlaganfall. Stürze führen häufig zu schweren Verletzungen, Krankenhausaufenthalten und verzögern die Rehabilitation erheblich.

Besonders hervorzuheben ist, dass das untersuchte Programm ohne großen zusätzlichen Aufwand in die Regelversorgung integriert werden kann.

Die FAST-Studie liefert erstmals einen klaren wissenschaftlichen Beleg dafür, dass nichtmedikamentöse, alltagsorientierte Interventionen wirksam Stürze nach Schlaganfall reduzieren können.

Der entscheidende Erfolgsfaktor ist dabei nicht die Intensität einzelner Therapieeinheiten, sondern die konsequente Einbindung von Bewegung, Training und Sicherheit in den Alltag.